aus Sicht von Canina Pharma GmbH

Kategorie: Aspekte Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 06. März 2016 Geschrieben von Anja Krüger

Die geplante EU-Verordnung betrifft in ihrem Entwurf unter Umständen auch Hersteller von natürlichen Futter- und Pflegeprodukten von Tieren.

Lesen Sie nachfolgend die Stellungnahme der beratenden Tierärztin S. Krukemeyer von Canina Pharma GmbH

 

Der Verordnungsentwurf für Tierarzneimittel (2014)- eine Stellungnahme

Der Verordnungsentwurf für Tierarzneimittel (2014) sieht vor, dass zukünftig natürliche Pflegeprodukte für Tiere, Ergänzungsfuttermittel und homöopathische Mittel nicht mehr frei verkäuflich sind, sondern nur noch den Apotheken bzw. Tierärzten zur Abgabe vorbehalten sind.

Das eigentliche Ziel- eine geringeren Einsatz von Antibiotika sowohl in der Behandlung der kleinen Haustiere wie auch in der Behandlung der lebensmittelliefernden Tiere- wird durch diese Verordnung allerdings nicht erreicht, sondern das Gegenteil ist der Fall.

Ergänzungsfuttermittel wie Kräuter, natürliche Mineralien, Vitamine sind schon seit dem Mittelalter für ihre heilende Wirkung bekannt. Bestimmte Rindenmischungen von Bäumen haben einen positiven Effekt auf Irritationen von Haut und Schleimhaut, verschiedene Pflanzen beeinflussen entzündliche Vorgänge im Körper positiv, wieder andere Kräuter helfen verschiedenen Organen in ihrer physiologischen Funktion. Die Beweise für diese Wirkungen sind in großer Zahl in den E/S/C/O/P Monographien beschrieben. Und diese natürliche Hilfe mit Ergänzungsfuttermittel unterstützt ohne gefährliche Nebenwirkungen wie sie bei den schulmedizinischen Mitteln immer wieder auftreten. Die Einschränkung der freien Vermarktung von Ergänzungsfuttermitteln schränkt die Therapiefreiheit im Allgemeinen massiv ein, außerdem würden so die Alternativen zu den Antibiotika- deren Einsatz verringert werden soll- stark beschnitten.
Es kann nicht sein, dass z.B. ein Blasen- und Nierentee im Discounter nebenan für den Menschen verkauft wird, die Kräutermischung mit Goldrute und Brennnessel zur Unterstützung der Nierenfunktion für Tiere (Haustiere wie lebensmittelliefernde Tiere) aber ein Arzneimittel werden soll. Hier stimmt die Gewichtung überhaupt nicht. Ebenso kann es nicht sein, dass Nachtkerzenöl zur Verbesserung des Hautbildes für den Menschen im Discounter erworben werden kann, Nachtkerzenöl für Tiere zur Unterstützung bei Hautproblemen ein Arzneimittel werden soll. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.
Indem die traditionellen Therapiemöglichkeiten mit dieser Verordnung beschnitten werden, bedeutet das einen großen Nachteil für das Tierwohl: Viele Erkrankungen lassen sich mit Ergänzungsfuttermitteln allein in den Griff bekommen. Das heißt nicht im Gegenzug, dass die Schulmedizin mit synthetischen Antibiotika und Entzündungshemmern nicht ihren Platz hat, nur wird hiermit oftmals zu schnell „geschossen“. Häufig sind alternative Therapiemethoden ausreichend und für Haustiere wie für lebensmittelliefernde Tiere eine sanfte Methode, wieder zu gesunden. Besonders empfehlenswert ist- wenn schulmedizinische Therapie beim Tierarzt nötig ist- die Kombination aus Schulmedizin und Ergänzungsfuttermitteln. Es gibt allerdings auch mehrere wissenschaftliche Studien, dass z.B. mit Schulmedizin das Tier nicht nachhaltig gesund wird, sondern die Erkrankung nur unterdrückt wird und wieder auftritt. Ich selbst habe in meiner Praxis diese Erfahrungen gemacht, ein Beispiel: Ein Hund mit chronischer Blasenentzündung wurde schulmedizinisch behandelt; die Blasenentzündung konnte nicht ausgeheilt werden. Mit Cranberry Extrakt (und Homöopathika) jedoch zur Stärkung der Blasenfunktion wurde das Tier nachhaltig gesund, ohne unerwünschte Nebenwirkungen, und ist es nach 1 Jahr immer noch.
Wenn Ergänzungsfuttermittel nicht mehr frei verkäuflich sind, kann auch der Tierhalter seinem Tier nicht mehr auf einfache Art und Weise helfen; das halte ich für nicht förderlich für die Gesundung des Tieres, da es einen großen psychischen Aspekt gibt, ob der Besitzer seinem Tier mit natürlichen Mitteln helfen kann: Er hat etwas selbst dazu getan, damit es dem Tier gut geht. Die Interaktionen zwischen Tierbesitzer und Haustier sind bei dem engen Zusammenleben heutzutage nicht zu unterschätzen.
In der Behandlung der lebensmittelliefernden Tiere hat die Erfahrung gezeigt, dass gerade auch diesen Tieren die natürlichen Ergänzungsfuttermittel helfen: Propolis, der Kittharz der Bienen, die Bartnelke (Usnea) , funktionale Eipulver oder Kolostrum, um nur einige zu nennen, sind natürliche Antibiotika und stärken das körpereigene Immunsystem der Tiere, so dass eine Behandlung mit herkömmlichen Antibiotika in vielen Fällen nicht mehr nötig ist. Verschiedene Mineralien aus Ton- oder Vulkangestein sind in der Lage, Mykotoxine aus Futterheu im Körper des Tieres zu binden, so dass eine Erkrankung des Tieres nicht mehr stattfindet. Bestimmte Kräuter können ein wurmfeindliches Milieu im Darm schaffen, so dass sich Würmer nicht mehr festsetzen, sondern passager ausgeschleust werden. Dies sind nur einige Beispiele für die Vielfalt der alternativen Heilmethoden, ganz ohne gefährliche Nebenwirkungen. Der Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln kommt am Ende dem Verbraucher zugute, der Produkte von lebensmittelliefernden Tieren verzehrt, die keine Rückstände von Antibiotika enthalten; das wiederum hat auf lange Sicht einen positiven Effekt auf die Resistenzproblematik verschiedener Bakterien auf Antibiotika: Die Resistenzlage wird sich auf lange Sicht verbessern.

 S. Krukemeyer, beratende Tierärztin Canina pharma GmbH